Die Reiseplanung mit ChatGPT kann eine interessante Ergänzung zu den Apps sein, die wir ohnehin auf unseren Roadtrips nutzen. Statt stundenlang verschiedene Reiseberichte zu durchsuchen, lassen sich mit künstlicher Intelligenz erste Ideen sammeln, Routen vergleichen und Zwischenstopps zusammenstellen.
Einfach in den Camper steigen, losfahren und unterwegs schauen, wohin die Reise führt. Genau diese Freiheit gefällt mir am Reisen mit unserem selbst ausgebauten Fiat Ducato besonders gut. Trotzdem gehört für mich ein wenig Vorbereitung dazu. Schließlich möchte ich nicht den halben Urlaub damit verbringen, nach geeigneten Stellplätzen, interessanten Ausflugszielen oder einer passenden Route zu suchen.
Gerade wenn wir eine Region noch nicht kennen, stellen sich einige Fragen. Welche Orte lohnen sich wirklich? Wo finden wir ruhige Stellplätze abseits der großen Campingplätze? Und wie verbinden wir unsere Ziele, ohne jeden Tag stundenlang hinter dem Steuer zu sitzen?
Hier kann ChatGPT helfen. Die KI ersetzt zwar keinen Reiseführer, keine Camping-App und schon gar nicht die eigene Erfahrung. Sie kann aber viele Informationen zusammenführen und daraus einen individuellen Reisevorschlag entwickeln.
Reiseplanung mit ChatGPT: Was ist überhaupt möglich?
Der größte Vorteil liegt für mich darin, dass sich eine Reise in einem Gespräch Schritt für Schritt entwickeln lässt. Ich muss nicht von Anfang an wissen, wohin es genau gehen soll. Oft reicht bereits eine grobe Vorstellung von der Region, der verfügbaren Zeit und den eigenen Interessen.
Nehmen wir an, ich möchte eine Woche mit dem Camper in die Schweiz fahren. Statt direkt nach einzelnen Sehenswürdigkeiten zu suchen, könnte ich ChatGPT zunächst meine Vorstellungen beschreiben.
Ich reise mit einem selbst ausgebauten Fiat Ducato, bevorzuge ruhige Stellplätze in der Natur und fotografiere gerne Landschaften. Große Campingplätze sind weniger mein Ding. Außerdem möchte ich ausreichend Zeit haben, kleinere Orte zu erkunden und zwischendurch einfach die Aussicht zu genießen.
Aus diesen Informationen kann ChatGPT einen ersten Reisevorschlag zusammenstellen. Vielleicht führt mich die Route durch eine Region, die ich bisher gar nicht auf dem Schirm hatte. Oder ich entdecke einen interessanten Zwischenstopp, der nur wenige Kilometer von meiner eigentlichen Strecke entfernt liegt.
Besonders praktisch finde ich, dass ich die Planung anschließend jederzeit verändern kann. Möchte ich einen Tag länger an einem See bleiben, kann ich die übrigen Etappen entsprechend anpassen lassen. Ist mir eine vorgeschlagene Tagesstrecke zu lang, bitte ich die KI um eine kürzere Alternative.
Das funktioniert natürlich nur als Planungshilfe. Ob die vorgeschlagenen Ziele tatsächlich erreichbar, geöffnet oder für meinen Camper geeignet sind, muss ich weiterhin überprüfen.
Mein Praxisbeispiel: Unsere Reise durch die Schweiz und Norditalien
Wie eine solche Reiseplanung aussehen könnte, lässt sich anhand unserer Tour durch die Schweiz und Norditalien zeigen.
Vom 31. August bis zum 5. September 2026 waren Sarah und ich mit unserem Fiat Ducato unterwegs. Unsere Route führte uns von Deutschland über Einsiedeln am Sihlsee nach Faido im Tessin. Von dort machten wir einen Abstecher nach Luino am Lago Maggiore, bevor es über Stierva und Flüelen am Vierwaldstättersee weiter nach Lauerz ging.
Unsere Reise war nicht mit ChatGPT geplant. Wir hatten nur eine grobe Vorstellung davon, welche Regionen wir besuchen wollten. Genau deshalb eignet sich die Tour als gutes Beispiel dafür, wie künstliche Intelligenz bei einer zukünftigen Reise helfen könnte.
Besonders gefallen haben uns die individuellen Stellplätze, die wir über Nomady gefunden hatten. Statt auf großen Campingplätzen standen wir auf kleinen, teilweise abgelegenen Plätzen mit wunderschönen Aussichten. Allerdings zeigte uns die Reise auch, dass eine schöne Lage nicht automatisch eine einfache Anfahrt bedeutet.
Wie unterschiedlich diese Stellplätze waren und welche Überraschungen wir unterwegs erlebt haben, kannst Du in meinem Reisebericht Mit dem Camper durch die Schweiz und Norditalien – unsere Nomady-Tour nachlesen.
Wenn ich heute eine vergleichbare Reise mit ChatGPT vorbereiten würde, würde ich folgendermaßen vorgehen.
1. Die Route mit ChatGPT planen
Zunächst würde ich der KI die wichtigsten Informationen über unsere Reise geben. Dazu gehören der Startort, die Reisedauer, das Fahrzeug und unsere persönlichen Vorstellungen.
Je genauer diese Angaben sind, desto individueller fällt der Vorschlag aus.
Ein Prompt könnte beispielsweise so aussehen:
Plane einen Roadtrip mit einem selbst ausgebauten Fiat Ducato von Süddeutschland durch die Schweiz mit einem Abstecher nach Norditalien. Wir haben sechs Tage Zeit und bevorzugen ruhige Stellplätze in der Natur. Wir fotografieren gerne Landschaften, besuchen kleinere Orte und möchten möglichst wenig Zeit auf Autobahnen verbringen. Plane sinnvolle Tagesetappen mit ungefähren Fahrzeiten. Zwischen den Stopps möchten wir möglichst nicht länger als drei Stunden unterwegs sein. Berücksichtige Bergstraßen und ausreichend Zeit für spontane Unternehmungen. Kennzeichne Angaben, die noch überprüft werden müssen.
Mit einem solchen Prompt bekommt ChatGPT deutlich mehr Informationen als bei einer einfachen Anfrage wie „Plane mir eine Reise in die Schweiz“.
Das Ergebnis kann eine erste Route mit mehreren Zwischenstopps sein. Anschließend lässt sich diese weiter anpassen. Vielleicht möchte ich den Lago Maggiore unbedingt einbauen oder lieber mehr Zeit am Vierwaldstättersee verbringen.
Außerdem kann ich mir mehrere Varianten vorschlagen lassen. Eine möglichst kurze Strecke, eine landschaftlich interessante Route oder eine Alternative mit besonders wenigen Ortswechseln.
Gerade bei Reisen mit dem Camper würde ich die vorgeschlagenen Fahrzeiten allerdings immer zusätzlich überprüfen. In den Bergen können wenige Kilometer erheblich länger dauern als auf einer normalen Landstraße.
2. Ruhige Stellplätze finden
Sobald die Route grob feststeht, beginnt für mich einer der interessantesten Teile der Vorbereitung: die Suche nach passenden Stellplätzen.
Bei unserer Schweiz-Tour haben wir beispielsweise oberhalb des Sihlsees übernachtet und einen wunderschönen Platz in Stierva im Albulatal besucht.
Solche Übernachtungsmöglichkeiten machen für mich einen großen Teil des Reiseerlebnisses aus. Ich stehe lieber auf einem kleinen Bauernhof mit Aussicht als auf einem Campingplatz, auf dem ein Wohnmobil direkt neben dem anderen steht.
ChatGPT kann dabei helfen, geeignete Regionen einzugrenzen und interessante Stellplatzmöglichkeiten zu recherchieren.
Dafür würde ich folgenden Prompt verwenden:
Ich suche ruhige, naturnahe Stellplätze für meinen Camper rund um den Vierwaldstättersee und im Albulatal. Bevorzugt werden kleine private Stellplätze, Bauernhöfe und Plätze mit schöner Aussicht. Recherchiere aktuelle Angebote von Nomady, VanSite und ähnlichen Plattformen. Gib mir nur Stellplätze an, für die Du eine überprüfbare Quelle findest. Verlinke die Angebote und prüfe, soweit möglich, Zufahrt, Fahrzeugbeschränkungen und Ausstattung. Falls Informationen fehlen, weise ausdrücklich darauf hin.
Wichtig ist hierbei, ChatGPT ausdrücklich um aktuelle Quellen zu bitten. Mit der Websuche lassen sich existierende Angebote recherchieren. Trotzdem würde ich eine Buchung nie ausschließlich auf Grundlage der KI-Empfehlung vornehmen.
Bei unserer Übernachtung in Faido zeigte sich beispielsweise, wie wichtig die Beschreibung der Zufahrt sein kann. Die Straße war teilweise sehr eng und unbefestigt. Außerdem gab es eine Baustelle, die unsere Anfahrt zusätzlich erschwerte.
Mit einem größeren Camper kann so etwas schnell problematisch werden.
Deshalb überprüfe ich die letzten Kilometer bis zu einem Stellplatz immer möglichst genau. Dabei helfen mir die Beschreibungen der Gastgeber, Bewertungen anderer Reisender und Satellitenbilder.
Für die konkrete Stellplatzsuche nutze ich weiterhin spezialisierte Anwendungen. Welche sieben Apps mich unterwegs begleiten und warum Nomady und VanSite zu meinen Favoriten gehören, erfährst Du in meinem Beitrag Camping-Apps 2026: Diese 7 Anwendungen nutze ich unterwegs.
3. Unterwegs spontan die Planung ändern
Eine der schönsten Eigenschaften beim Reisen mit dem Camper ist für mich die Möglichkeit, spontan zu entscheiden.
Vielleicht gefällt es uns an einem See so gut, dass wir eine weitere Nacht bleiben möchten. Oder die Wettervorhersage sieht für die kommenden Tage schlecht aus und wir überlegen, unsere Route zu verändern.
Auch in solchen Situationen kann ChatGPT interessant sein.
Nehmen wir an, wir stehen am Sihlsee und möchten entscheiden, wohin es als Nächstes gehen soll.
Ein passender Prompt wäre:
Wir sind momentan mit unserem Camper in der Nähe von Einsiedeln in der Schweiz. Für die kommenden zwei Tage suchen wir eine Region mit möglichst guten Wetterbedingungen für Landschaftsfotografie und kleinere Wanderungen. Vergleiche anhand aktueller Wetterquellen drei interessante Ziele im Umkreis von ungefähr 150 Kilometern. Berücksichtige die Fahrzeiten und die Eignung für einen Kastenwagen. Gib die Quellen und den Zeitpunkt der Wetterinformationen an. Weise auf Unsicherheiten hin.
Mit diesem Prompt kann ChatGPT verschiedene Möglichkeiten miteinander vergleichen, sofern aktuelle Wetterinformationen verfügbar sind.
Allerdings zeigt unsere damalige Schweiz-Reise auch, dass eine Wettervorhersage nicht immer zutreffen muss. Eigentlich war für unsere Urlaubstage ziemlich viel Regen angekündigt. Tatsächlich hatten wir fast durchgehend Sonnenschein.
Deshalb würde ich meine Reise auch weiterhin nicht ausschließlich von einer Wetter-App oder KI-Empfehlung abhängig machen.
Manchmal lohnt es sich eben, trotzdem loszufahren.
Wo liegen die Grenzen der KI-Reiseplanung?
So praktisch die Reiseplanung mit ChatGPT sein kann, vollständig darauf verlassen würde ich mich nicht.
Künstliche Intelligenz kann Informationen falsch interpretieren, veraltete Daten verwenden oder Details nennen, die in Wirklichkeit nicht stimmen. Selbst wenn ChatGPT im Internet recherchiert und Quellen angibt, können sich darunter fehlerhafte oder überholte Informationen befinden.
Besonders bei einer Camper-Reise würde ich einige Dinge grundsätzlich selbst kontrollieren.
Dazu gehören die Straßenverhältnisse, Fahrzeugbeschränkungen, Durchfahrtshöhen und Zufahrten zu abgelegenen Stellplätzen. Google Maps berücksichtigt beispielsweise nicht automatisch die individuellen Abmessungen jedes Campers.
Auch bei den gesetzlichen Bestimmungen zum Übernachten ist Vorsicht geboten. In der Schweiz unterscheiden sich die Regelungen zum Wildcampen je nach Kanton und Gemeinde. Ein schöner Parkplatz mit Aussicht bedeutet deshalb nicht automatisch, dass dort auch übernachtet werden darf.
Genauso wenig kann ChatGPT grundsätzlich garantieren, dass ein Campingplatz freie Stellplätze hat oder eine bestimmte Ausstattung tatsächlich vorhanden ist.
Für mich bleibt die KI daher vor allem ein Werkzeug für die Vorbereitung und die Suche nach neuen Ideen. Die endgültige Entscheidung treffe ich anhand zuverlässiger Informationen und meiner eigenen Erfahrungen.
So holst Du mehr aus Deiner Reiseplanung mit ChatGPT heraus
Wer zum ersten Mal eine Reise mit künstlicher Intelligenz plant, stellt häufig viel zu allgemeine Fragen.
Mit einer Anfrage wie „Plane einen Urlaub in Italien“ kann die KI nur relativ allgemeine Vorschläge machen.
Interessanter wird es, wenn ich meine persönlichen Anforderungen gleich zu Beginn beschreibe. Dazu gehören beispielsweise die Dauer der Reise, der gewünschte Startpunkt, mein Fahrzeug und meine Interessen.
Gerade beim Camper sind auch die Fahrzeugabmessungen und die vorhandene Ausstattung wichtig. Wer mit einem kompakten Van unterwegs ist, hat schließlich andere Möglichkeiten als jemand mit einem großen Wohnmobil.
Ich würde ChatGPT außerdem ausdrücklich mitteilen, dass ich nicht jeden Tag möglichst viele Sehenswürdigkeiten besuchen möchte.
Für mich gehören Ruhe, spontane Zwischenstopps und ausreichend Zeit zum Fotografieren genauso zum Reisen wie bekannte Ausflugsziele.
Auch nach einem ersten Routenvorschlag lohnt es sich, weitere Fragen zu stellen. Welche Strecke ist besonders landschaftlich interessant? Welche Orte sind eher touristisch? Wo könnte sich eine zusätzliche Übernachtung lohnen?
Je mehr ich die Vorschläge an meine Vorstellungen anpasse, desto hilfreicher wird die Planung.
Und noch etwas: Nicht jede Information muss in einem einzigen Prompt stehen. Oft ist es sinnvoller, zunächst eine grobe Route zusammenzustellen und anschließend einzelne Etappen genauer auszuarbeiten.
So bleibt die Planung übersichtlich und lässt sich jederzeit verändern.
Mein Fazit: ChatGPT als digitaler Reiseassistent
Ich sehe in ChatGPT eine interessante Ergänzung zu den Anwendungen, die ich ohnehin für meine Reisen nutze.
Die KI kann dabei helfen, neue Ziele zu entdecken, verschiedene Routen zu vergleichen und eine erste Reiseidee in einen konkreteren Plan zu verwandeln. Gerade bei der Vorbereitung eines Roadtrips lässt sich damit einiges an Recherchearbeit strukturieren.
Trotzdem würde ich niemals jede Empfehlung ungeprüft übernehmen. Besonders bei Stellplätzen, Straßenverhältnissen und örtlichen Vorschriften bleiben aktuelle und verlässliche Informationen unverzichtbar.
Für mich geht es ohnehin nicht darum, einen Roadtrip bis ins kleinste Detail durchzuplanen.
Viel wichtiger ist eine gute Grundlage, die trotzdem ausreichend Raum für spontane Entscheidungen lässt.
Denn einige unserer schönsten Erlebnisse sind unterwegs entstanden, ohne dass wir sie vorher geplant hatten. Ob ein unerwartet schöner Stellplatz, ein Spaziergang am Vierwaldstättersee oder ein kleiner Abstecher nach Italien für eine Pizza und einen Kaffee.
Genau diese Freiheit möchte ich mir auch bei einer Reiseplanung mit künstlicher Intelligenz erhalten.
Hast Du ChatGPT schon einmal für die Planung einer Reise genutzt? Oder verlässt Du Dich lieber auf klassische Reiseführer und Camping-Apps? Schreib mir gerne in die Kommentare, welche Erfahrungen Du gemacht hast.
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