Wenn man einen Camper ausbaut oder seine ersten Reisen plant, kann man schnell den Eindruck bekommen, dass man eigentlich eine halbe Wohnung mitnehmen muss. Für alles gibt es spezielles Campingzubehör: vom faltbaren Küchenutensil bis zum riesigen Vorzelt, von der Powerstation bis zum Fernseher. Und natürlich findet man im Internet unzählige Listen mit Dingen, die angeblich unbedingt zur Grundausstattung gehören.
Wir haben unseren Camper bewusst etwas anders ausgestattet. Nicht alles musste von Anfang an perfekt sein und schon gar nicht wollten wir jeden verfügbaren Stauraum mit Campingzubehör füllen. Vieles hat sich erst unterwegs entwickelt. Manche Dinge waren für uns von Anfang an wichtig, andere haben wir erst nach den ersten Reisen angeschafft. Und bei einigen Sachen haben wir irgendwann festgestellt, dass wir sie eigentlich überhaupt nicht brauchen.
Genau deshalb möchte ich dir hier nicht einfach eine möglichst lange Einkaufsliste präsentieren, sondern zeigen, was wir tatsächlich in unserem Camper nutzen, was sich für uns bewährt hat und auf welche Dinge wir bewusst verzichten.
Strom und Wasser: Die Grundlage für unsere Reisen
Eine zuverlässige Stromversorgung war für uns von Anfang an ein wichtiger Bestandteil des Ausbaus. Das Herzstück ist eine LiTime 12 V 300 Ah LiFePO4-Batterie, die zusammen mit unserem Lade- und Stromsetup unseren kompletten Stromhaushalt versorgt. Dazu gehören unter anderem der Ective CSI 30 Pro, der Ective SC 40 Pro mit Bluetooth-Sender und unsere Solaranlage mit flexiblen Solarpanels auf dem Dach. Damit können wir Licht, Ladegeräte, Laptop, Kamera und unsere anderen elektrischen Verbraucher betreiben, ohne ständig auf einen Landstromanschluss angewiesen zu sein.
Zusätzlich haben wir eine EcoFlow RIVER 2 Pro mit 768 Wh dabei. Sie ist für uns eher eine flexible Ergänzung und nicht die eigentliche Stromversorgung des Campers. Gerade wenn man unterwegs verschiedene Geräte laden möchte, ist es aber angenehm, noch eine unabhängige Stromquelle zur Verfügung zu haben. Was dabei gerne unterschätzt wird, sind die vielen kleinen Ladekabel. Handy, Laptop, Kamera und andere Geräte wollen schließlich alle irgendwann geladen werden. Deshalb gehören passende USB- und USB-C-Kabel für mich genauso zur Ausstattung wie die eigentliche Batterie.
Beim Wasser sind wir aktuell noch mitten im Ausbau. Momentan behelfen wir uns teilweise mit Wasserflaschen und einer faltbaren Schüssel zum Spülen. Wenn die Wasserversorgung fertiggestellt ist, stehen uns allerdings 90 Liter Frischwasser und 75 Liter Abwasser zur Verfügung. Das klingt zunächst nach ziemlich viel, aber gerade wenn man mehrere Tage autark unterwegs ist, merkt man schnell, wie viel Wasser tatsächlich benötigt wird. Zum Trinken, Kochen, Abwaschen, Händewaschen und Putzen kommt einiges zusammen. Lieber etwas mehr Wasser an Bord zu haben, gibt uns deshalb einfach ein gutes Gefühl.
Für die Heizung und später auch für warmes Wasser sorgt unsere JP Heater Diesel Combi. Die Dieselheizung verfügt über einen integrierten Wasserboiler und ist damit für uns gleich doppelt interessant. Gerade wenn man nicht ständig auf einem Campingplatz steht, ist eine eigene Warmwasserversorgung ein deutlicher Komfortgewinn.
Die Küche: Weniger ist mehr
Auch bei der Küche haben wir uns zunächst auf das konzentriert, was wir wirklich brauchen. Unser Induktionskochfeld von IKEA reicht für die meisten Gerichte vollkommen aus. Zusätzlich haben wir einen kleinen Gaskocher als Reserve dabei. Dazu kommen ein Topf, eine Pfanne, ein gutes Küchenmesser, Schneidebrett, Teller, Schüsseln, Tassen, Besteck und ein paar Gewürze. Mehr braucht es für unsere Art zu reisen eigentlich nicht.
Als Kühlschrank nutzen wir momentan einen Dometic CFX 35. Auch hier handelt es sich um eine Übergangslösung, denn sobald unsere Küche fertiggestellt ist, soll ein größerer Kühlschrank fest eingebaut werden. Die CFX 35 hat uns bis dahin aber gute Dienste geleistet und zeigt ganz schön, dass nicht alles sofort endgültig sein muss. Man kann einen Camper auch Schritt für Schritt fertigstellen und trotzdem schon damit unterwegs sein.
Und dann gibt es natürlich noch das Thema Kaffee. Wir haben sowohl eine Dolce Gusto als auch eine klassische Mokka-Kanne dabei. Überraschenderweise greifen wir inzwischen meistens lieber zur Mokka-Kanne, weil uns der Kaffee daraus einfach besser schmeckt. Mit einer passenden Metallplatte funktioniert sie auf unserem Induktionskochfeld, ansonsten kann sie genauso auf dem Gaskocher oder über dem Feuer verwendet werden. Für mich ist sie deshalb fast schon ein kleines Symbol für die Camper-Grundausstattung: Sie braucht nicht viel Platz, ist unkompliziert und erfüllt genau das, was sie soll. Und mal ehrlich – was wäre ein Morgen im Camper ohne Kaffee?
Schlafen und Wohnen: Hier würde ich nicht sparen
Bei einem Punkt würde ich von Anfang an etwas mehr Wert auf Qualität legen: beim Schlafen. Wir haben eine 1,40 × 2,00 Meter große Kaltschaummatratze auf zwei Lattenrosten. Zum Einsatz kommt bei uns eine Traumnacht 7-Zonen Kaltschaummatratze H3 mit 16 cm Höhe, die wir über Amazon gekauft haben. Natürlich ist eine Matratze eine sehr persönliche Sache und jeder schläft anders. Für uns war aber schnell klar, dass guter Schlaf und vernünftiges Liegen unterwegs einfach enorm wichtig sind. Schließlich bringt es wenig, einen schönen Stellplatz zu haben, wenn man am nächsten Morgen völlig gerädert aufsteht.
Zusätzlich haben wir normale Decken und Wolldecken dabei, falls es nachts einmal kälter wird. Die Verdunkelung ist bei uns bereits fest an den Fenstern verbaut. Zwischen Fahrerhaus und Wohnraum gibt es zusätzlich einen Vorhang und für die Front- und Seitenscheiben haben wir eine Thermomatte, die von außen angebracht werden kann. Auch beim Insektenschutz haben wir uns für feste Lösungen entschieden. An allen Fenstern sind Fliegengitter verbaut und an der Schiebetür gibt es ein fest installiertes Schiebesystem. Gerade im Sommer ist das eine Sache, die ich nicht mehr missen möchte.
Bei der Ordnung halten wir es dagegen eher einfach. Ein kleiner Besen ist für mich im Camper tatsächlich ein absolutes Muss. Man trägt ständig etwas von draußen herein und beim Kochen oder Essen fällt natürlich auch einmal etwas daneben. Zusätzlich haben wir einen kleinen Akku-Staubsauger dabei. Für die verschiedenen Dinge, die unterwegs so anfallen, verwenden wir gerne einfache Taschen – beispielsweise für Wäsche, Pfandflaschen oder Einkäufe. Das klingt banal, funktioniert aber gut und kostet keinen wertvollen festen Stauraum.
Draußen gehören für uns ein kleiner Klapptisch und zwei Campingstühle zur Grundausstattung. Besonders praktisch finde ich unseren CAMPWERK Alu Camping Tisch. Er ist kompakt, lässt sich gut verstauen und wird längst nicht nur zum Essen verwendet. Mal stehen Getränke darauf, mal etwas vom Einkauf und manchmal hängen wir sogar Handtücher darüber, die gerade trocknen müssen. Dazu kommen unsere CAMPWERK Relax Campingstühle, die sich ebenfalls klein zusammenklappen lassen. Eine Picknickdecke haben wir ebenfalls dabei.
Eine weitere Kleinigkeit, die ich jedem Camper empfehlen würde, ist eine einfache Wäscheleine mit ein paar Wäscheklammern. Irgendetwas ist eigentlich immer feucht und muss getrocknet werden – Handtücher, Geschirrtücher oder nach einem Regentag auch einmal ein Kleidungsstück. Die Wäscheleine braucht kaum Platz, wird aber erstaunlich häufig gebraucht.
Werkzeug und Notfallausstattung: Kleine Dinge können plötzlich wichtig werden
Beim Werkzeug habe ich durch unseren Selbstausbau natürlich einen etwas anderen Blick auf das Thema. Eine komplette Werkstatt möchte ich trotzdem nicht mitnehmen. Ein paar grundlegende Dinge sind aber immer dabei: Schraubendreher, Ratschenkasten, Zangen, Inbusschlüssel, Cuttermesser, Gewebeband, Kabelbinder, Ersatzsicherungen, Elektrozubehör mit Crimpzange und Arbeitshandschuhe. Dazu kommen ein Akkuschrauber mit Ladegerät, ein Klappspaten und eine kleine Axt.
Dass gerade die kleinen Dinge wichtig werden können, haben wir selbst erlebt. In Griechenland standen wir einmal an einem Berg und plötzlich sprang unser Fahrzeug nicht mehr an. Ursache war eine Sicherung des Starters. In diesem Moment war ich ausgesprochen froh, dass ich Ersatzsicherungen dabeihatte. Das Problem ließ sich dadurch relativ unkompliziert lösen.
Seitdem gehören Ersatzsicherungen für mich definitiv zur Grundausstattung. Sie nehmen kaum Platz weg, kosten nicht viel und können im richtigen Moment den Unterschied machen.
Auch die restliche Notfallausstattung ist bei uns entsprechend vollständig. Wir haben Ersatzrad, Wagenheber, Radmutternschlüssel, Starthilfekabel, Reifenreparaturset und einen 12-Volt-Kompressor dabei. Dazu kommen Feuerlöscher, Warnwesten, Warndreieck, Verbandskasten und eine Taschenlampe. Bei den Warnwesten sollte man sich vor einer Reise immer über die Vorschriften des jeweiligen Landes informieren, da die Anforderungen unterschiedlich sein können.
Für die Navigation nutzen wir hauptsächlich das Smartphone. Zusätzlich kann die Navigation auch über unser Radio beziehungsweise das dort integrierte System genutzt werden. So haben wir im Alltag mehrere Möglichkeiten, ohne zusätzlich noch ein separates Navigationsgerät mitnehmen zu müssen.
Was wir bewusst nicht mitnehmen
Mindestens genauso interessant wie die Dinge, die wir dabeihaben, sind für mich die Dinge, auf die wir bewusst verzichten.
Ein Vorzelt gehört beispielsweise nicht zu unserer Ausstattung. Eine Markise fehlt uns momentan noch, steht aber definitiv auf unserer Wunschliste. Einen Fernseher brauchen wir dagegen nicht. Auch einen Fahrradträger haben wir bewusst nicht angeschafft.
Das hat einen einfachen Grund: Wir würden vieles davon wahrscheinlich ohnehin nur selten nutzen. Gleichzeitig brauchen diese Dinge Platz und bringen zusätzliches Gewicht mit. Gerade beim Camper finde ich deshalb die Frage wichtig, ob man etwas wirklich braucht oder nur glaubt, es irgendwann einmal gebrauchen zu können.
Wir haben beispielsweise festgestellt, dass wir unsere Zeit unterwegs viel lieber draußen verbringen, spazieren gehen, fotografieren, essen, lesen oder einfach irgendwo sitzen und die Umgebung genießen. Dafür brauchen wir keinen Fernseher und auch kein riesiges Vorzelt.
Unser Camper ist außerdem noch nicht an allen Stellen fertig. Die endgültige Wasserversorgung steht noch aus, die Küche wird weitergebaut und die Markise wird irgendwann noch dazukommen. Trotzdem funktioniert das Reisen bereits jetzt sehr gut.
Die beste Ausstattung ist die, die du wirklich benutzt
Wenn ich heute noch einmal einen Camper von Grund auf ausstatten würde, würde ich wahrscheinlich noch bewusster einkaufen. Zuerst würde ich mich um die Dinge kümmern, die man wirklich jeden Tag braucht: eine vernünftige Schlafmöglichkeit, Strom, Wasser, eine einfache Küche, Licht, grundlegendes Werkzeug und ein paar Dinge für Sicherheit und Ordnung.
Danach würde ich losfahren.
Denn erst unterwegs merkt man, was einem tatsächlich fehlt. Vielleicht ist es ein größerer Kühlschrank, eine Markise oder eine zusätzliche Aufbewahrungsmöglichkeit. Vielleicht stellt man aber auch fest, dass man bestimmte Dinge überhaupt nicht vermisst.
Unser Camper hat sich ebenfalls Schritt für Schritt entwickelt. Manche Anschaffungen waren von Anfang an geplant, andere sind aus einer konkreten Situation heraus entstanden. Die Ersatzsicherungen nach unserem Erlebnis in Griechenland gehören beispielsweise definitiv zur zweiten Kategorie. Die Wäscheleine ist ein weiteres kleines Beispiel dafür, dass es oft nicht die großen und teuren Produkte sind, die unterwegs den größten Unterschied machen.
Deshalb würde ich bei der Camper-Erstausstattung nicht fragen: „Was brauche ich alles?“
Ich würde eher fragen: „Was brauche ich wirklich?“
Das spart Geld, Gewicht und vor allem Platz. Denn am Ende ist nicht der Camper mit der umfangreichsten Ausstattung der beste Camper. Sondern der, in dem du dich wohlfühlst und mit dem du einfach losfahren kannst.
Einige der in diesem Beitrag genannten Produkte sind über Affiliate-Links verlinkt. Wenn du über einen dieser Links etwas kaufst, erhalte ich gegebenenfalls eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. Ich verlinke dabei nur Produkte, die wir selbst nutzen oder mit denen wir eigene Erfahrungen gesammelt haben.
Relevante Links
- LiTime LiFePO4 Batterie (mit dem Code ALEXANDERHOPP erhältst du 5% Rabatt auf deine Bestellung)
- EcoFlow RIVER 2 Pro
- Traumnacht 7-Zonen Kaltschaummatratze H3 140 × 200 cm
- Dometic CFX 35
- Bialetti Moka Express
- CAMPWERK Alu Camping Tisch
- CAMPWERK Relax Campingstuhl
- Wäscheleine und Wäscheklammern
- KFZ-Ersatzsicherungen
- Wohnmobil-Auffahrkeile
- Camping-CEE-Kabel




Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!